Der Tempelberg

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Was geschieht dort, wo sich Judentum, Christentum und Islam treffen?

Es entsteht eine ganz besondere und ungewöhnliche Atmosphäre.

Während eines Rundgangs durch die für uns zugänglichen (und sicheren) Teile des Tempelberges kann man sich von der Geschichte und Kultur des Islam beeindrucken lassen, ganz zu schweigen von der Aussicht auf Jerusalem, die immer wieder atemberaubend ist.

Heutzutage ist eine Visite des Tempelbergs für jeden Besucher möglich. Der Rundgang kann zwar nur auf dem Hof zwischen den Bauten stattfinden und nicht in ihrem Inneren, aber auch so handelt es sich um eine der schönsten und faszinierendsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Der Zutritt ist übrigens an Wochentagen unentgeltlich.



Der Felsendom

Photo: Ron Peled

Das Thema dieses Rundgangs lautet also „Jerusalem – eine heilige Stadt des Islam“. Auf dem Tempelberg selbst sind keine wichtigen archäologischen Funde aus der jüdischen Vergangenheit des Ortes erhalten geblieben, und mit der Tagespolitik werden wir uns hier nicht befassen. Beginnen wir also mit unserer Tour: Von der Klagemauer geht es über eine recht neue hölzerne Brücke hinauf zum  Eingang des Tempelberges, durch das grüne Portal des Mughrabi-Tores – einer der elf Zugänge zum Tempelberg, von denen neun offen sind. 

Der Tempelberg in seiner jetzigen Form und mit einer Fläche von 144 Dunam wurde von Herodes erbaut. Auf ihm befanden sich später mehr als hundert moslemische Gebäude, errichtet von den arabischen Eroberern Jerusalems zu Anfang des 7. Jahrhunderts, die dann durch die Kreuzritter ausgebaut wurden.

Warum wurde Jerusalem mehr als 1500 Jahre nach der Einnahme der Stadt durch König David und rund 700 Jahre nach Christi Geburt zu einem heiligen Ort des Islam? Der Schlüssel liegt in der politischen Stimmung jener Tage. Es war eine Zeit des Kampfes um die Herrschaft in der moslemischen Welt: Die Fraktion der Abbasiden gegen die der Ummajaden. Die Herrscher aus dem Hause Ummaja waren in Jerusalem ansässig. Auch wenn ihr Machtzentrum sich in Damaskus befand, brauchten sie ein religiöses und politisches Gegengewicht zur Mekka, der Stadt in Arabien, in der die Abbasiden regierten.

Auch gegenüber den Juden und den Christen, denen Jerusalem heilig war, musste Stellung bezogen werden, hatte das arabische Heer doch im Jahre 638 die Region von den Byzantinern erobert. Heute ist Jerusalem nach Mekka und Medina die dritt-heiligste Stadt des Islam. Unterhalb der Südmauer des Tempelberges, und nahe dem Südtor lassen sich Überreste der Paläste der Ummajaden sehen (die Ausgrabungen am Südwall).

Die nächtliche Reise des Propheten Muhammad

Die el Aqsa Moschee auf dem Tempelberg dient heute als Freitagsmoschee in Jerusalem (Freitag ist der  Gebetstag im Islam). In Kapitel 17 des Koran findet sich die letzte Fahrt des Propheten Muhammad dargestellt. Der Prophet reiste von Mekka zu der „entferntesten“ Moschee, auf Arabisch el Aqsa. Erst später wurde wiederentdeckt, dass der Ort zum jüdischen Tempelberg gehört hatte.

Der moslemischen Tradition zufolge soll Muhammad im Verlauf seiner nächtlichen Reise auf einer Eselsstute namens el Buraq (Blitz) von Mekka nach Jerusalem und zurück geflogen sein. Festgemacht hatte der Prophet diese Stute an der heutigen Klagemauer, die in der arabischen Welt bis heute el Buraq genannt wird. Nach seinem Gebet in der el Aqsa Moschee soll der Prophet auf dem Rücken von el Buraq von der Erde in den Himmel und zurück geflogen sein; Ausgangspunkt was der mythische Felsen, über dem der benachbarte Felsendom errichtet wurde.



Der al Aqsa Moschee

Photo: Gad Rize

Die el Aqsa Moschee wurde zunächst als provisorische Gebetsstätte von Khalif Omar im Jahre 705 n. Chr. aus Holz erbaut. Der Khalif el Walid aus dem Hause Ummaja baute diese Moschee auf Steinbögen, die von Herodes zur des Zweiten Tempels errichtet worden waren.

Etliche Erdbeben haben die Herrscher Jerusalems immer wieder zur Renovierungen der Moschee gezwungen. Das Resultat ist eine Flickenbauweise, so dass die Fassade des Gebäudes aus dem späten Mittelalter stammt und von Saladin, dem Herrscher der Ayyubidendynastie, wiederhergestellt wurde, wobei sich architektonische Einflüsse der europäischen Kreutzritter bemerkbar machen. Die Ayyubiden hatten 1187 unter der Führung Saladins die Stadt von den Kreuzrittern eingenommen.

Jede Moschee der Welt ist nach Mekka in Saudi Arabien ausgerichtet, und so weist auch die al Aqsa Moschee in Jerusalem nach Süden. Im Zentrum der Gebetsmauer lässt sich eine Nische erkennen, der „Mikhrab“. Solche Gebetsnischen sind überall auf dem Tempelberg zu sehen. Sie sind auf erhöhten Podesten errichtet, die zum Gebet auffordern.

In der el Aqsa Moschee befand sich nahe der Gebetsnische eine hölzerne Kanzel, die Saladin höchstpersönlich aus Damaskus mitgebracht hatte. Mehr als 700 Jahre lang stand diese Kanzel auf ihrem Platz, bis im Jahre 1969 ein christlicher Sonderling aus Australien mit den Namen Rohan das Podest anzündete und es fast ganz verbrannte.

Ebenfalls hier in dieser Moschee wurde König Abdallah von Jordanien im Jahre 1951 durch einen arabischen Schneider aus Jerusalem ermordet; in einer der Marmorsäulen kann man immer noch einen Kugeleinschlag entdecken. Die Säulen der el Aqsa Moschee stammen aus Italien und wurden 1938 von niemand anderem als Benito Mussolini gespendet. Wenn man den Wächter darum bittet, kann man mit etwas Glück von einen Blick außen in das Innere des Gotteshauses  werfen.

Nördlich in Richtung Felsendom passiert der Besucher die heute geschlossenen Tore unterhalb Moschee, die einst auf den Tempelberg führten. In Richtung der Südmauer befinden sich die von König Herodes errichteten Bögen, die diesem Teil des Berges als Stützen dienen. Zur Zeit der Kreuzritter erhielt dieses Bauelement den Beinamen „Salomons Pferdeställe“, da der Raum darunter im 11. und 12. Jahrhundert von den Templern als Stallung für ihre Pferde benutzt wurde. Die meisten Moscheen der Stadt wurden damals von ihnen in Kirchen umgewandelt. Seit 1996 befindet sich in dem Gewölbe die el Marvani Moschee, die im Andenken an den Ummajden-Khalifen eingerichtete wurde, dessen Sohn den Felsendom und dessen Enkel die el Aqsa Moschee erbauten.

Nach dem wir die Fassade der el Aqsa Moschee bewundert haben, wenden wir uns nach Norden dem Felsendom und dem davor liegenden Brunnen zu. Bei diesem handelt es sich eigentlich um einen Trinkbrunnen, der auch der rituellen Reinigung dient. Auf Arabisch heißt der im 13. Jahrhundert von den Mamelukken aufgestellte Brunnen „el Kaas“.

Die Bögen über den Stufen, die zum oberen Teil des Areals führen, auf dem der Felsendom steht, werden „Ma’azin“ genannt. Das sind die „Waagen“, auf denen die guten und schlechten Taten der Gläubigen einst abgewogen werden sollen. Im Zentrum der Bögen befindet sich eine wunderschöne Sonnenuhr, die zum Ablesen der Stunde einlädt. Diese Sonnenuhr stammt aus vom Beginn des vorherigen Jahrhunderts und hat eine interessante Geschichte. Jerusalems Moslems hatten versucht, Rabbi Moshe Shapira, den einzigen Experten für Sonnenuhren in der Stadt, mit allen Mitteln und um jeden Preis zum Bau dieser Uhr zu bewegen.

Doch war der Rabbi ein frommer Jude und durfte daher den Tempelberg nicht betreten, weil er hätte unwissentlich an die Stelle gelangen können, auf der sich einst das Allerheiligste des jüdischen Tempels befunden hatte. Und das war aus Gründen der rituellen Reinheit nur dem Hohen Priester gestattet. Auch den Vorschlag, sich wörtlich auf Händen tragen zu lassen, lehnte er ab.  Als sich die Bitten der Moslems in Drohungen verwandelten, zog der Rabbi nach Petach Tikvah um und kehrte nie wieder nach Jerusalem zurück. Die Sonnenuhr wurde schließlich von anderen gebaut.

Am oberen Ansatz der Treppe ist linker Hand ein steinerner Aufgang zu sehen, der des Sommers als „Mikhrab“ dient und aus der Zeit der Mamelukkenherrschaft  stammt.



Der Tempelberg aus der Luft

Photo: Ron Peled

Wo ist Indiana Jones?

Vor dem Besucher steht nun in seiner ganzen Pracht des Felsendoms, „Qabbat as Zakhra“ auf Arabisch. Ein Blick nach Süden enthüllt ein nahe gelegenes kleines Gebäude mit einer Kuppel, dessen arabische Bezeichnung „Kettenkuppel“ lautet– „Qabbat el Silsila“. Diese Struktur weist große Ähnlichkeit mit dem Felsendom auf. Daher sind trotz der Tatsache dass dieses Gebäude 10 Ecken hat und der Felsendom achteckig ist, viele der Meinung, das kleine Gebäude habe als Modell für den Bau des Felsendoms gedient. Eine andere These behauptet, dass im Kettendom Geld zur Finanzierung des Baus gesammelt wurde.

Der moslemischen Tradition zufolge hat König David in diesem Gebäude nahe dem Tempel gesessen, um Recht zu sprechen, wobei ihm die von der Kuppel herabhängende Wunderkette als Hilfsmittel gedient haben soll. Die Beschuldigten mussten die Kette mit den Händen festhalten und schwören, die Wahrheit gesagt zu haben – hatten sie gelogen, wurde die Kette ihren Händen entrissen. Zur Zeit der Kreuzzüge wurde dieses Gebäude als Kirche zu Ehren von Jakob, dem Bruder Jesu, geweiht. Entsprechend der armenischen Überlieferung wurde Jakob jedoch im armenischen Viertel begraben. Es gibt jüdische Legenden, die diesen Ort als den Platz bezeichnen, an dem Jakob, der Sohn Isaacs, seinen in der Bibel beschriebenen Traum hatte und behaupten, dass unter diesem Gebäude die Gesetzestafeln der Bundeslade sowie der Stab von Aaron und noch vieles mehr verborgen sei. Ohne Zweifel gibt es hier genug Material für eine Fortsetzungsfolge von Indiana Jones.

Der Felsendom selbst wurde im Jahre 691 nach Chr. durch den Khalifen Abd el Malik errichtet, der auch Ramla erbaute, die erste arabische Stadt des Landes. Ramla wurde damals zur Hauptstadt des Bezirks. Die von Khalif Abd el Malik aufgestellten Gebäude stellen heute die älteste vollständig erhaltene Bausubstanz der Region dar. Seit der Errichtung des Felsendoms sind „nur“ 1300 Jahre vergangen, aber die 8 Wände, gebaut auf hartem Mutterfelsen, haben das Gebäude, das bis heute wiederholt renoviert wurde, über die Jahrhunderte hinweg geschützt.

Der sagenumwobene Felsen, der auf den Beginn der Menschheitsgeschichte zurückgeht

Der Felsendom wird irrtümlich oft als „Omar-Moschee“ erwähnt, ist aber gar keine Moschee, sondern ein Schrein, der für Moslems die Stelle bezeichnet, an der der Prophet Muhammad seine nächtliche Fahrt in den Himmel antrat. Als Khalif Omar im Jahre 638 n. Chr. Jerusalem den byzantinischen Christen entriss, bat er den Patriarchen Supranius, ihn zum heiligsten Ort der Stadt zu führen. Supranius versuchte, den Khalifen zu täuschen und führte ihn zur Kirche des Heiligen Grabes, um dort gemeinsam zu beten. Der Khalif bemerkte die Täuschung und eröffnete Supranius, dass diese Kirche in eine Moschee umgewandelt werde, wenn sie beide dort beteten, und dass beide Religionen für immer um diesen Platz ringen würden. Der Khalif verließ die Kirche, breitete im Hof seinen Gebetsteppich aus und betete. Bis heute befindet sich neben der Grabeskirche eine Moschee mit einem wundervollem Turm und einer Inschrift am Tor, die diesen Bau als „Omar-Moschee“ kennzeichnet.

Der Khalif ging weiter zum Tempelberg, wo er mit seiner Kleidung den Felsen abwischte, der sich heute im Inneren des Schreins befindet. Möglicherweise verursachte diese Tat den Irrtum und verlieh dem Felsendom die Bezeichnung „Omar-Moschee“. Tatsächlich jedoch wurde der Dom wurde als Schrein erbaut, um den Felsen vor den Naturgewalten zu schützen – den Felsen, von dem die Welt der Überlieferung nach ihren Durst löschen soll. Seiner Umgebung soll dem Talmud zufolge Gott die Erde entnommen haben, aus der er Adam formte. Auf diesem Felsen war Abraham bereit gewesen, seinen Sohn Isaac zu opfern, als der Engel des Herrn ihm Einhalt gebot, dort, wo sich nach jüdischer Überlieferung der Berg Morija befindet. Von hier trat Muhammad seine Fahrt in den Himmel an.

Erst im 16 Jahrhundert wurden die Außenwände des Sakralbaus mit wunderschöner Keramik in den bekannten Blautönen versetzt. Insgesamt 40 Pfeiler und Säulen stützen die Kuppel. Diese Kuppel, eines der Wahrzeichen Jerusalems, war zunächst aus schwarzgrauem Blei; 1963 erhielt sie mit Blattgold behämmerte Aluminiumplatten, und 1993 ließ der jordanische König Hussein diese durch mit Gold galvanisierte Platten austauschen. Die Vergoldung allein kostete 80 Kilo Gold im Wert von 15 Millionen Dollar – eine Spende aus Jordanien und Saudi Arabien. Die Goldschicht erhielt eine besondere Legierung, damit der Glanz des edlen Metalls die Gläubigen nicht blendet.



Der Felsendom auf dem Tempelberg

Photo: Ron Peled

Der sagenhafte Felsen selbst (die höchste Stelle des Berges) befindet sich im Inneren des Schreins, zu dem nicht-Moslems heute kein Zutritt gewährt wird. Fachleuten zufolge ist es gut möglich, dass sich hier das Allerheiligste des jüdischen Tempels befand. Der Felsbrocken ist geologisch außergewöhnlich und aus besonders hartem Gestein. Der Berg hat sich im Laufe der Jahre wenig verändert, jedoch besteht kein Zweifel, dass der Felsendom den Standort des jüdischen Tempels einnimmt. Die vergoldete Kuppel ist auch von innen eindrucksvoll und atemberaubend, ebenso wie die Wände und Bögen. In einer Ecke steht ein Holzschrein, der „Aron Akab“ genannt wird und die Stelle schützt, an der ein angeblicher Fußabdruck Muhammads im Felsen die Himmelsreise des Propheten anzeigt. Die Nordecke des Felsendoms wird im Islam „Bab El Gana“ genannt, etwa „Das Tor zum Garten Eden“. In der Nähe dieses Tores soll König Salomon begraben liegen. 

Unter dem Felsen befindet sich eine Höhle, in der nach islamischer Tradition Muhammad gebetet haben soll. Die Gebetsnische nahe der Treppe auf der rechten Seite (in Abwärtsrichtung) – ist König Salomon gewidmet und gilt als eine der ersten Gebetsnischen der moslemischen Welt. Im Höhlenboden ist eine Tafel eingelassen, unter der sich nach den Aussagen der Einheimischen ein Geisterbrunnen befindet, in dem der Schatz des jüdischen Tempels verborgen liegen soll.

Wie schon erwähnt, gibt es auf dem Tempelberg zahlreiche weitere moslemische Bauten; es empfiehlt sich deshalb, auch den nördlichen und den östlichen Teil der Stätte zu besuchen und dabei die wunderschöne Aussicht auf Jerusalem rundum zu genießen.

Der Tempelberg steht Besuchern ohne Voranmeldung und unentgeltlich von Sonntag bis Donnerstag zwischen 07:30 Uhr und 10:00 Uhr offen.
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