… und eine moderne, multikulturelle  Metropole, in der mehr als eine Dreiviertel Million Menschen Jeden Tag ihrer Beschäftigung nachgehen.

Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel sowie das geistige und kulturelle Zentrum des jüdischen Volkes. Gleichzeitig ist es die heiligste Stätte des Christentums und die dritt-heiligste Stadt des Islam.

Spuren der frühesten Besiedlung der Stätte in den jüdischen Bergen gehen auf das Jahr 5000 v. Chr. Zurück. Schriftlich erwähnt wird die Stadt zum ersten Mal in ägyptischen Texten im 18. Jahrhundert v. Chr. sowie in den Amarnabriefen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.

Hauptstadt der Juden

Etwa um das Jahr 1000 v. Chr. erobert König David mit seinen Israeliten Jerusalem von den kanaanitischen Jebusitern und macht es zur Hauptstadt seines Königreiches. Heute ist die ursprüngliche Davidstadt ein besonders sehenswerter archäologischer Garten. Davids Sohn und Nachfolger, König Salomon, erbaut den Ersten Tempel, dessen Allerheiligstes die Bundeslade mit den zehn Geboten aufnimmt. Jerusalem wird zum politischen und religiösen Zentrum des jüdischen Volkes. Es folgt eine Zeit der Blüte, mit massiver Bautätigkeit und Handelbeziehungen weit über die Landesgrenzen hinaus.



Der Papst und Israels Oberrabbiner in Jerusalem

Photo: Ron Peled

Nach dem Tod Salomons spaltet sich das Königreich in zwei Teile: Israel im Norden mit Samarien als Hauptstadt, und Judäa im Süden, dessen Hauptstadt Jerusalem bleibt.

Spielball der Mächte

Am Scheideweg zwischen Asien, Europa und Afrika und an der Kreuzung antiker Handelsrouten gelegen, steht die Stadt am Rande der Wüste immer wieder im Mittelpunkt bewaffneter Auseinandersetzungen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wird das Land Israel von den Assyrern erobert, und Jerusalem wird mit Flüchtlingen aus Samarien überflutet. 200 Jahre später nimmt Babylons König Nebukadnezar Jerusalem ein und zerstört den Tempel. Er schickt König Jojachin, 10.000 Adelige und einen Großteil der Bevölkerung ins Exil.

Nach der Einnahme Babylons durch die Perser erlaubt ein Edikt von Cyrus II. den Juden die Heimkehr aus dem Exil. Der Tempel wird wieder aufgebaut, und die Judäer sondern sich von den Samaritern ab, die sich daraufhin ihr eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim errichten. Bis heute gibt es eine kleine Samaritaner-Gemeinde in Israel.

Im 4. Jahrhundert wird Jerusalem durch die Armee Alexanders des Großen eingenommen. Etwa 200 Jahre vor Christi Geburt führt eine intensive Hellenisierung zu inneren Streitigkeiten. Der griechische König Antiochus Epiphanes IV. besetzt die Stadt und verbietet die Ausübung der jüdischen Religion. Eine jüdische Rebellion unter der Führung von Judas Makkabäus gewinnt Jerusalem zurück. Ein unabhängiges jüdisches Königreich wird wieder wiederhergestellt und Jerusalem wird wieder zur Hauptstadt – diesmal des Königreiches der Hasmonäer.

Nach einen Disput über die hasmonäische Thronfolge führt im Jahre 63 v. Chr. die römische Einmischung zur Herrschaft Roms. Herodes wird zum Vasallenkönig der Römer und beginnt mit großartigen Bauprojekten in Jerusalem. In dieser Zeit stirbt Jesus um das Jahr 29 n. Chr. am Kreuz. Das Christentum wird geboren. Im Jahre 70 n. Chr. führt ein jüdischer Aufstand gegen die Römer zur Besetzung Jerusalems. Der Zweite Tempel und große Teile der Stadt werden durch den römischen Kaiser Titus zerstört. Etwa 60 Jahre später entsteht unter Kaiser Hadrian am Standort Jerusalems eine römische Kolonie mit dem Namen Aelia Capitolina.

Christen und Araber, Kreuzfahrer, Mamelukken und Türken

Im 4. Jahrhundert gehen Jerusalem und die römische Provinz Judäa in die Hände der Byzantiner über. Kaiser Konstantin I. macht das Christentum zur Staatsreligion; seine Mutter Helena erbaut an der Stätte, an der sich der Überlieferung zufolge das Grab Jesus befindet, die Kirche des Heiligen Grabes. Heute ist diese Kirche eines der großen christlichen Heiligtümer in Jerusalems Altstadt.

Im 7. Jahrhundert wechselt die Stadt den Besitz zwischen Persern, Sassaniden und Byzantinern, bevor sie 640 n. Chr. unter der Führung des Khalifen Omar von den moslemischen Arabern überrannt wird, die den neuen, von Muhammad gepredigten Glauben verbreiten. 691 erbaut Khalif Abd el Malik den Felsendom. Jerusalem wird zum Streitobjekt wechselnder arabischer Dynastien, den Ummayaden, Abbasiden und Fatimiden.



Luftansicht des christlichen Viertels der Altstadt

Photo: Ron Peled

Im Jahre 1099 besetzen die europäischen Kreuzfahrer Jerusalem und machen es zur Hauptstadt ihres lateinischen Königreiches. Zahlreiche Juden und Moslems kommen ums Leben. Nach der Wiedereinnahme Jerusalems im Jahre 1187 durch Sultan Salah-ed-Din bleibt Jerusalem 15 Jahre lang in moslemischen Händen. Im Verlauf der nächsten beiden Jahrhunderte versuchen die Kreuzfahrer, sich erneut in der Stadt niederzulassen, mit nur mäßigem Erfolg.

Im 13. Jahrhundert gelangt die Kaste der Mamelukken in Ägypten an die Macht und erobert im Nachgang dazu Jerusalem. Im Jahre 1260 verteidigen die Mamelukken Jerusalem gegen den Einfall der Mongolen, und 1291 vertreiben sie die verbleibenden Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land. 260 Jahre bleibt Jerusalem in den Händen der Mamelukken, bis diese 1517 von den osmanischen Türken abgelöst werden. Unter Sultan Suleiman dem Prächtigen beginnt Anfang des 16. Jahrhunderts eine Zeit der Blüte.

Zwei Weltkriege

Im 17. Jahrhundert hatte der Niedergang des türkischen Reiches begonnen. Im 19. Jahrhundert werden die Juden zur Bevölkerungsmehrheit in Jerusalem, und es entstehen die ersten jüdischen Wohnviertel außerhalb der alten Stadtmauern. Die ersten Gruppen zionistischer Einwanderer erreichen das Land. Um 1880 bereits ist etwa die Hälfte der rund 30.000 Einwohner Jerusalems jüdisch. Zahlreiche europäische Länder errichten diplomatische Niederlassungen und Missionen in der Stadt, darunter auch Preußen (später das Deutsche Reich), Österreich, Russland, Italien, England und auch die Vereinigten Staaten.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs nimmt im Dezember 1917 der englische General Allenby Jerusalem ein und macht es zum Sitz der Mandatsregierung. Die jüdische Gemeinde der Stadt entwickelt und konsolidiert sich, trifft jedoch auf Ablehnung durch die arabischen Einwohner, die sich wiederholt (1922, 1929 und 1936-39) in gewaltsamen Aufständen entlädt.



Pilger auf der Via Dolorosa

Photo: Ron Peled

1947 beschließen die Vereinten Nationen die Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die Juden akzeptieren die Resolution. Mit der Ausnahme Jordaniens lehnen die Araber sie ab.

Die Engländer verlassen das Land, und 1948 wird der Staat Israel ausgerufen. Angesichts der darauffolgenden Invasion der Armeen aus den benachbarten arabischen Ländern kämpft Israel seinen Unabhängigkeitskrieg. Ein Jahr später wird der westliche Teil Jerusalems zur Hauptstadt Israels; bis 1967 bleibt die Stadt zwischen Israel und Jordanien geteilt.

Nach dem Sieg Israels im Sechs-Tage-Krieg wird Jerusalem 1967 wieder vereint. 1979 leben bereits wieder 50.000 Juden in Ostjerusalem, 1993 sind es schon 160.000. Der Anteil der jüdischen Bewohner in ganz Jerusalem liegt 2011 bei rund 63 %, der moslemische Anteil bei 35 % und der christliche bei 2 %.

Jerusalem heute

Heute zählt die Stadt mehr als eine Dreiviertel Million Einwohner. Als Hauptstadt des Staates Israel bleibt sie weiter umstritten. Der westliche Teil ist überwiegend jüdisch. Der Ostteil wird von den Palästinensern als Hauptstadt beansprucht; hier überwiegt eine arabische Bevölkerungsmehrheit, darunter etwa 2,5 % Christen verschiedener Glaubensrichtungen. Trotz der politischen Spannungen leben und arbeiten die Menschen in Jerusalem neben- und miteinander, in einem multikulturellen und multireligiösen Mosaik.



Dai Kagemauer bei Nacht

Photo: Ron Peled

Das Herz Jerusalems ist unbestreitbar die historische Altstadt. Sie umfasst etwa einen Quadratkilometer und ist aufgeteilt in ein jüdisches, ein christliches, ein armenisches und ein moslemisches Viertel, umgeben von einer Mauer, die in ihrer jetzigen Form während der türkischen Herrschaft durch Sultan Suleiman den Prächtigen im 15. Jahrhundert errichtet wurde.

Auf engstem Raum stößt der Besucher hier auf die Zeugen der Geschichte, historische Denkmäler aus Altertum, Mittelalter und neuerer Zeit, Kulturstätten sowie religiöse Wahrzeichen und Schreine, die ineinander übergehen und sich überlagern. Das Bevölkerungsgemisch stellt vor allem hier einen Mikrokosmos Jerusalems dar: Juden und Araber, protestantische, katholische und äthiopische Priester, griechisch-orthodoxe, russisch- orthodoxe und syrische Mönche, koptische  und armenische Patriarchen zwischen zahlreichen Gläubigen aus aller Welt.

Letzten Endes wird es keinen anderen Weg geben, als die Stadt auch weiterhin zusammen zu bewohnen und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen – eine Möglichkeit, die von vielen Juden und Arabern bereits anerkannt und praktiziert wird. Dabei geht es nicht allein um den Besitz der Stadt, sondern vielmehr um inneres Wachstum, um Sicherheit sowie um politische, kulturelle und spirituelle Freiheit. Akzeptanz und Toleranz sind der Schlüssel der koexistentiellen Zukunft Jerusalems.